Fakten
Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:
Könnten Sie noch etwas zur "Waldstraße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.
Waldstraße
Kaum eine Trittauer Straße ist länger, kaum eine hat so wenig Anwohner
und kaum eine hat einen so schönen Baumbestand. Die unbefestigte Waldstraße
läuft von der Hirschbrücke östlich parallel der Bahnhofstraße nach Norden,
wo sie an der Grönwohlder Straße endet.
Sie trägt ihren Namen zu Recht. Wer hier spazieren geht, glaubt, durch
den Wald zu gehen, wären da nicht die Durchblicke auf einige schöne und ganz
besondere Häuser.
Begleiten Sie mich auf dem Weg durch die Waldstraße: Wir starten an der
Hirschbrücke und bewundern die alten Eichen am rechten Straßenrand und den
Blick auf das Auetal. Vor 50 Jahren wurde hier noch Heu gemacht, jetzt aber
ist alles der Natur zurückgegeben und ein schönes Biotop aus Erlen, Weiden
und viel Feuchtigkeit ist entstanden.
Nach einigen Schritten unter den Bäumen öffnet sich nach links der freie
Blick auf ein architektonisches Kleinod, das Haus von Frau Charlotte Specht.
Frau Specht, geboren 1910, ist 98 Jahre alt. Sie ist die Enkeltochter des
legendären Dorflehrers Johannes Schmidt (1831-1905), dessen lesenswerte
Lebenserinnerungen 1996 im Medien-Verlag Schubert, Hamburg, veröffentlicht
wurden und deren besonderen literarischen Rang Dr. Hans-Jürgen Perrey in
seinem Buch "Mein Stormarn" (2003, S.145 ff.) beschrieben hat. Die Aufzeichnungen
dieses Schulmeisters, der 37 Jahre lang Lehrer in Sprenge war, wurden dank
Frau Specht und dank des Trittauers Wilhelm Huth im Nachlass von Johannes
Schmidt in diesem Haus an der Waldstraße entdeckt.
Das Haus wurde 1912 von einem Onkel von Frau Specht für seine Mutter,
die Witwe von Johannes Schmidt, erbaut und gilt als bedeutendes Beispiel
der modernen Landhaus- und Gartenstadtarchitektur vor dem Ersten Weltkrieg.
Diese Architekturbewegung wollte, wie der Jugendstil auch, vor allem den
architektonischen Historismus überwinden und zu einfachen, klaren,
handwerksorientierten und preiswerten Linien zurückfinden. Das Haus steht
seit 2007 unter Denkmalschutz.
Wir setzen unseren Weg fort. Die Waldstraße steigt jetzt an und
entfernt sich vom Auetal. Wir sehen rechts mehrere Gebäude des von
Rantzau'schen Besitzes und schließlich, hinter einer Zufahrtsallee versteckt,
das schöne Gutshaus dieser Hamburger Reederfamilie, das man eher ein Schlösschen
nennen könnte. Links, hinter den Bäumen, die neuen, gelungenen Wohnhäuser der
Bahnhofstwiete.
Nach einem Nadelholzwäldchen zur rechten Seite kommen wir zur Abzweigung
des Feldweges "Am Wehl", und der Blick geht über große landwirtschaftliche
Flächen, begrenzt von Knicks, die zu den wenigen in Trittau gehören, die noch
unverändert an gleicher Stelle sind, wie sie damals von der dänischen Regierung
durch die Verkoppelung im 18. Jahrhundert geschaffen wurden. Auch der Wehl
selbst ist ein historischer Redder (Doppelknickweg), der auf der Verkoppelungskarte
von Andreas Thießen 1772 genau so geplant worden ist, wie er heute besteht.
Wir gehen weiter nach Norden. Linker Hand erscheinen einige weniger schöne
Gebäuderuinen, Überreste einer Gewerbestruktur, die mit den beiden Trittauer
Eisenbahnanschlüssen (Strecke Schwarzenbek-Oldesloe 1887; Südstormarnsche Kreisbahn
Trittau-Tiefstaak 1907) entstand und mit ihrem Ende wieder unterging. Hier
wirtschaftete die Getreide- und Futtermittel-Firma Rautenberg mit Gleisanschluss
direkt an den beiden Bahnsträngen, bevor diese etwas weiter nördlich auseinandergingen.
Von der Vergangenheit wenden wir uns wieder unserer Zeit zu und genießen den
Blick nach rechts auf die weiten Flächen des Trittauer Landwirtes Ulf Zingelmann und
seinen hochmodernen neuen Kuhstall. Nur noch wenige Schritte und wir stoßen auf die
Grönwohlder Straße. Hier können wir rechts nach Grönwohld gelangen oder links ins
Trittauer Gewerbegebiet oder auch geradeaus mit dem Fahrrad auf der wunderschönen
Trasse der alten Eisenbahn weiterkommen.
Autor:Ralph Droege(†)



