Theodor Storm
Fakten
Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:
Könnten Sie noch etwas zur "Theodor-Storm-Straße" beitragen? Dann melden Sie sich bitte.
Theodor-Storm-Straße
"Knecht Ruprecht" - ob wohl immer noch beinahe jedes Kind in deutschen Familien dieses Weihnachtsgedicht kennt? Dieses Gedicht, in dem am Schluss nach dem guten oder dem bösen Kind gefragt wird und in dem es von der Antwort abhängt, wie die Belohnung ausfällt, ob man Geschenke bekommt oder die Rute fühlt?
Es gibt Bilder des großen norddeutschen Dichters Theodor Storm, in denen
er mit seinem imposanten weißen Haupthaar und Bart durchaus den Weihnachtsmann
hätte spielen können, aber gewiss nur den gütigen, Gaben verteilenden. Diese
Bilder zeigen ihn gegen Ende seines bewegten Lebens, das trotz unterschiedlicher
äußerer Einflüsse auf einer geraden Bahn verlaufen ist. Er war eben ein echter
Schleswig-Holsteiner.
Theodor Storm wird 1817 als Sohn eines Rechtsanwalts in Husum geboren, der
"Grauen Stadt am Meer", wie der Titel eines seiner bekanntesten Gedichte lautet.
Dort besucht er die Gelehrtenschule, ein Gymnasium, dessen Standard ihm (oder
seinem Vater?) jedoch zu dürftig erscheint, denn er hängt freiwillig (?) noch
zwei Jahre im berühmten Gymnasium der alten Hansestadt Lübeck an seine Schulzeit
dran.
Dort kommt er zum ersten Mal mit Gleichaltrigen zusammen, die sich intensiv
mit Literatur befassen. Er selbst hat schon früh mit gelungenen Versen die in ihm
schlummernde dichterische Begabung gezeigt, die jetzt einen guten Nährboden findet.
Nur sein Vater spricht mit Bezug auf jegliche literarische Betätigung von "dumm
Tüch", schickt seinen Sohn, der eigentlich der Medizin zuneigt, zum Jurastudium auf
die Universität zuerst in Kiel, dann in Berlin, schließlich wieder in Kiel, wo er
1843 sein Staatsexamen besteht. Jetzt ist er Jurist wie sein Vater, und die
vorgeschriebene Laufbahn kann beginnen.
Theodor Storm entspricht dem väterlichen Wunsche durchaus nicht widerwillig.
Das würde nicht zu seinem geraden, traditionsbewussten Wesen passen. Der Beruf ist
eine Sache, seine Liebe zur Dichtung eine andere. Diese Leidenschaft fachen nicht
zuletzt seine engsten Freunde aus jener Zeit an, zu denen Theodor Mommsen gehört,
der 1902 für seine "Römische Geschichte" den Literatur-Nobelpreis bekommen wird.
Mit ihnen liest Storm die Dichter der deutschen Romantik. Besonders Mörike beeinflusst
ihn, und es verwundert nicht, dass er sich in diesen Jahren zum ersten Mal
verliebt. Auch die innigsten seiner Gedichte entstehen in dieser Zeit bis
hin zum Ende seines ersten Berufsabschnitts.
1843 lässt Theodor Storm sich in Husum als Anwalt nieder. Er heiratet
1846 seine Cousine Konstanze, mit der er sieben Kinder haben wird, und
entwickelt in den folgenden Jahren seine lyrische Dichtung weiter. Es folgt
die Zeit der revolutionären Wirren, der Aufstand der Schleswig-Holsteiner
gegen die dänische Krone. Storm vertritt die Ansprüche deutscher Klienten
und verliert seine juristische Zulassung.
1853 wird er Assessor am Kreisgericht Potsdam. Literarische Kontakte,
zum Beispiel zu Theodor Fontane, trösten ihn nicht über die berufliche Enge
in Preußen hinweg, verglichen mit seiner selbständigen Anwaltstätigkeit in
Husum, und so ist er froh, drei Jahre später als Kreisrichter nach Heiligenstadt
auf dem thüringischen Eichsfeld wechseln zu dürfen. Hier bleibt ihm genügend
Zeit zum Lesen, Dichten, Wandern, und hier geht sein literarisches Schaffen
langsam von der Lyrik zur Novelle über. 1864 nach dem Ende der dänischen
Herrschaft kehrt er in das nunmehr preußische Schleswig-Holstein als Landvogt
zurück. 1874 wird er Oberamtsrichter in seiner Heimatstadt Husum, wo seine
berufliche Laufbahn endet. Er stirbt 1888 in Hademarschen.
Theodor Storms Gedichte handeln oft von Weihnachten und seiner Hinneigung zu geliebten Menschen, aber noch wichtiger scheint ihm seine schleswig-holsteinische Heimat zu sein. Er besingt die Küste und das Meer, den Deich und die grüne Marsch, im Hinterland die einsame Heide. Man sieht in seinen Versen Blumen blühen, hört Bienen summen und Möwen schreien. In seinem Gedicht "Für meine Söhne" mahnt er:
Was du immer kannst, zu werden,
Arbeit scheue nicht und Wachen,
Aber hüte deine Seele
Vor dem Karrieremachen.
Könnte nicht so manchem jungen Menschen dieses Wort heute beim Vorwärtsstreben ein guter Wegweiser sein?
In seinen späteren Lebensjahren schreibt Storm kaum noch Gedichte. Er konzentriert sich auf die Novelle. Eine seiner ersten, "Immensee", hat ihn mit ihrem zu Herzen gehenden elegischen Ton schon 1849 berühmt gemacht. Es folgen viele andere, von denen die auch gesellschaftskritisch zu lesende Geschichte "Pole Poppenspäler" und schließlich als Höhepunkt "Der Schimmelreiter" seine Bekanntheit noch einmal steigern.
In seinem Todesjahr 1888 erscheint diese letzte Novelle. Sie verbindet eine
fesselnde, realistische Handlung mit unheimlichen Elementen und zeigt noch einmal
Storms Gabe, Charaktere überzeugend darzustellen, vor allem aber auch seine enge
Bindung an die schleswig-holsteinische Heimat.
Nicht vergessen darf man Storms Märchen wie "Die Regentrude" und "Der kleine
Häwelmann". Eltern, die abends eine kleine Geschichte suchen, um sie ihrem Kind
am Bett vorzulesen, sollten zum "Häwelmann" greifen.
Die Novellen sind Theodor Storms Hauptwerk. Man kann sie immer wieder mit Gewinn lesen. Man sollte es tun.
Autor:Hermann Drews

