Fakten
Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:
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Peter-Fechter-Straße
Peter Fechter wäre jetzt (2009) 65 Jahre alt, wenn er nicht als eines
der vielen Terroropfer an der Berliner Mauer ermordet worden wäre.
Die DDR nannte dieses Bauwerk in nicht zu übertreffendem Zynismus
den antifaschistischen Schutzwall. Sie ließ auf ihre eigenen Bürger
schießen, die nichts wollten als frei sein. Wen schützte die Mauer?
Doch nur Ulbricht und seine Herrscherclique vor dem eigenen
unterdrückten Volk. Der faschistische Aggressor aus dem Westen, von
dem man in Pankow nicht müde wurde zu reden, war nichts als eine
Schimäre.
Wie schön hätte Peter Fechters Leben verlaufen können. Er war 18
Jahre alt, Maurergeselle, stand am Anfang seiner beruflichen Laufbahn,
hatte Freunde, vielleicht auch eine Freundin, die er liebte und die
ihn liebte, hätte sie vielleicht geheiratet, Kinder mit ihr gehabt und
alles in allem ein gutes durchschnittliches Leben geführt. Er wäre
heute mit 65 höchstwahrscheinlich körperlich und geistig fit wie die
meisten seiner Altersgenossen, würde sich seiner Kinder und wohl auch
Enkelkinder freuen und noch eine lange Reihe weiterer Jahre vor sich
haben.
Alles Vermutungen, nur ein Wenn, Wäre, Hätte. Im Jahre zwanzig
nach dem Mauerfall ist es aber angebracht, im Hinblick auf die große
Zahl Ermordeter an der Berliner Mauer von Peter Fechter zu sprechen,
dessen Tod sich als besonders schreckliches Beispiel in die Erinnerung
seiner Zeitgenossen eingegraben hat. Er wollte am Freitag, dem 17.
August 1962, zusammen mit einem gleichaltrigen Freund dem Zwang der
DDR-Diktatur entkommen. Sie versuchten nahe dem Checkpoint Charlie
in Ihrer Mittagspause die Mauer zu überklettern. Es gelang dem Freund,
Peter Fechter aber wurde von mehreren Kugeln getroffen und fiel von
der Mauer zurück auf Ostberliner Gebiet.
Dort ließen ihn die DDR-Grenzsoldaten eine Stunde lang liegen.
Er schrie, flehte um Hilfe, verblutete. Erst dann wurde er unter dem
Mörder-, Mördergeschrei der hilflosen Zuschauer, die alles vom
Checkpoint aus verfolgen konnten, abtransportiert. Die ohnmächtige Wut
der Westberliner richtete sich auch gegen die amerikanischen Soldaten,
die tatenlos dem Sterben des jungen Mannes zusahen. Es ist anzunehmen,
dass sie auf höheren Befehl nicht helfen durften, so grausam es klingt,
vielleicht zu Recht. Welche unabsehbaren Folgen hätte es wohl gehabt,
wenn amerikanische GIs auf die Ostseite der Mauer vorgedrungen wären,
und wenn die Grenzsoldaten auch auf sie geschossen hätten? Der kalte
Krieg hätte leicht zu einem heißen werden können.
Seit diesem schrecklichen Ereignis sind 47 Jahre vergangen. Wir
leben im wiedervereinten Deutschland, und man liest in der Zeitung,
dass sehr viele junge Menschen hier nicht den Unterschied zwischen
einer Demokratie und einer Diktatur kennen. Diese beschämende Tatsache
sollte manche Autoren und Politiker dazu bringen, die DDR nicht länger
so weichgespült darzustellen, wie sie nie gewesen ist. Sie war ein
Unrechtstaat, der seinen Bürgern jegliche Freiheit nahm, wenn sie nicht
der von der Partei vorgeschriebenen Linie folgten.
Peter Fechter wurde eines der beklagenswerten Opfer dieses Staates.
Es ist gut, dass sein Name in Deutschland nicht vergessen ist.
Den Trittauer Politikern, die eine Straße im Neubaugebiet nach
Peter Fechter benannt haben, sei Dank. Dass sie nahe der Anne-Frank-Straße
liegt, ist sehr zu begrüßen, zeigt diese Nachbarschaft doch, dass wir der
Opfer beider deutschen Diktaturen des letzten Jahrhunderts gedenken.
Dass Peter Fechter und Anne Frank beide sehr jung ermordet wurden,
sollte diese Erinnerung besonders wach halten.
Autor:Hermann Drews
