Aus Gadebuscher Sicht ...
Gadebusch ist eine Kleinstadt im Nordwesten Mecklenburgs mit
5.900 Einwohnern (Stand 2009). Seit 1225 hat Gadebusch Stadtrecht. 1712 war
Gadebusch Schauplatz einer historisch bedeutenden Schlacht
zwischen Schweden, Dänen und Sachsen. Gadebusch hat einen einmalig
schönen Marktplatz und ein (leider leerstehendes) Schloss. Die
größtenteils gotische Stadtkirche St. Jakob und St. Dionys beherbergt
eindrucksvolle Kunstschätze. Gadebusch hat ein Museum am Burgsee und
sehenswerte Bürgerhäuser in der Altstadt.
Schon vor dem Fall der Berliner Mauer und der verharmlosend
"innerdeutsche Grenze" genannten Sperranlagen bemühte sich die
Gemeinde Trittau um eine Partnerschaft mit einer Stadt in der DDR.
Entsprechende Anstrengungen verliefen im Sande, da seitens der
DDR-Regierung nur von staatlicher Seite "angeordnete" Partnerschaften
geduldet wurden.
Nach der Grenzöffnung suchte der damalige Bürgermeister Trittaus,
Jochim Schop, Kontakt zu der knapp 60 Kilometer entfernten Stadt Gadebusch
im Westen Mecklenburgs. Der Bürgermeister von Gadebusch, Günter Blankenberg,
stand den Beziehungen zu Trittau sofort aufgeschlossen gegenüber. Schon am
18. Januar 1990 trafen sich Schüler aus Gadebusch und Trittau. Im selben
Monat wurde eine Vereinbarung der Trittauer Realschule mit der Gadebuscher
Salvador-Allende-Schule geschlossen.
Zügig beschlossen die Vertretungen in Gadebusch und Trittau einen
Partnerschaftsvertrag, der am 7. Februar 1990 in Kraft trat.
Der Vertrag wird seitdem mit Leben erfüllt. Regelmäßige Treffen finden
statt, und alle fünf Jahre wird gemeinsam groß gefeiert - Anfang Oktober
2010 dann in Gadebusch.
Seit 1995 gibt es in Gadebusch eine "Trittauer Straße". Hier liegt
das größte Gadebuscher Autohaus und das Maschinenbauunternehmen Fertigungstechnik
Nord.
Auch die Benennung der Gadebuscher Straße in Trittau im Juni 2007 ist ein
Ergebnis dieser Partnerschaft. Leider war diese Namensgebung in Trittau
umstritten, und 2008 wurden auch Vorurteile gegen den Osten Deutschlands laut.
Vielleicht sollten die Gegner dieser Straßenbenennung einmal darüber nachdenken,
was der Europa-Beauftragte der Stadt Gadebusch, Horst Stutz, über die
Partnerschaft zwischen Gadebusch und Trittau sagte: "Auch wenn die politische
Einheit längst geschaffen wurde, zur vollständigen Einheit oder zur Einheit
in den Köpfen ist es leider noch ein weiter Weg. Bis wir gemeinsam an dessen
Ende stehen, wird uns und allen Deutschen noch viel Geduld, Toleranz und
Verständnis, aber auch Nachsicht abverlangt werden. All dies ist am ehesten
zu erreichen, wenn man miteinander redet. Und wo ginge dies besser als in
einer Partnerschaft, die gepflegt wird und von Vertrauen und Rücksichtnahme
gekennzeichnet ist?!"
Andreas Lausen
Mitarbeiter der Stadt Gadebusch
