Hans Eidig - Lithografie von Otto Speckter

Fakten

Gemeindestraße
B-Plan Gebiet: 15
Länge: 71m
Bau/Benennung: 1977


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Eidigweg
Foto: Stefan Grau
Eidigweg
Foto: Stefan Grau
Eidigweg
Foto: Stefan Grau

Eidigweg

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein und darüber hinaus hatten die herrschenden, meist adligen Kreise nur ihnen zustehende Rechte, die sie notfalls mit obrigkeitlicher Gewalt verteidigten. Zu diesen Rechten gehörte die Jagd. Nur die Herren durften das Wild schießen, und da es viel weniger Herren gab als Rehe und Hirsche, vermehrten diese sich stark und wurden für die Bauern zu einer bösen Plage. Wildschäden beeinträchtigten die Ernten, die Selbsthilfe durch Fallenstellen brachte wenig Besserung und wurde überdies streng bestraft. Gar selbst zum Gewehr zu greifen, wagte kaum ein Bauer. Wie sollte sein kleiner Hof weiter existieren, wenn er als Familienvater ins Gefängnis kam?

Ein solches Unrecht empörte Männer, die als Wild- oder Freischützen versuchten, den Bauern zu helfen und durch verbotene Jagd die Wildschäden zu verringern. In diesem Zusammenhang fallen einem Namen wie Robin Hood ein oder sogar Klaus Störtebeker, obwohl vor allem diesem "Likedeeler" wohl in erster Linie der Sinn nach eigener Bereicherung stand. Die Wildschützen aber, die in Norddeutschland den Bauern halfen, waren keine Räuber. Hans Eidig war einer von ihnen. Er lebte und jagte in seiner näheren Heimat, dem Norden der Lüneburger Heide, aber auch in den Harburger Bergen und im Lauenburgischen. Eidig soll sogar auch in der Hahnheide gejagt haben. Geboren wurde er 1804 als Sohn eines amtlich bestellten Försters, dem wahrscheinlich das spätere Treiben seines Sohnes nicht sehr angenehm gewesen sein kann.

Durch seinen Vater erfährt Hans Eidig schon früh, dass nur die Herren jagen dürfen und wohl auch, wie sehr das einfache Landvolk darunter zu leiden hat. Während seiner Ausbildung bei einem Förster in Stelle lernt er, mit Flinten und Büchsen umzugehen und nimmt danach eine Stellung als Jäger bei einem Forstmeister auf dem Gut Borstel nahe Winsen/Luhe an. Sein knappes Salär bessert er durch gelegentliche Wilderei auf.

Hans Eidig verabscheut die feudale Jägerei, denn kaum einer der Herren denkt an die Hege und Pflege von Fauna und Flora, schon gar nicht an den Wildschaden, der den Bauern Jahr für Jahr entsteht. So wird er zum Wildschützen. Zusammen mit Gleichgesinnten schießt er das heimische Schalenwild. Er wird von Förstern, Gendarmen und Soldaten gejagt, findet aber meistens mit Hilfe der Bauern Verstecke, die ihn davor bewahren, verhaftet zu werden. Nicht immer gelingt dies, aber irgendwie schafft er es mit List und fremder Hilfe, bald wieder zu entkommen. Er wird steckbrieflich gesucht, sogar für vogelfrei erklärt und nimmt schließlich die ihm angebotene finanzielle Unterstützung der dänischen und hannoverschen Regierungen für den Fall an, dass er das Land verlässt. 1835 wandert er nach Amerika aus. Dort verliert sich seine Spur, doch liegt der Gedanke nahe, dass ein Mann wie er ein Leben als Scout, als Trapper, gar als eine Art Old Shatterhand geführt hat. Wer weiß, vielleicht hat Karl May von ihm gehört und ihn in seinen viel gelesenen Büchern verewigt?

Bevor wir uns aber in phantasievollen Vermutungen ergehen, sollten wir uns besser fragen, wie der kurze Trittauer Eidigweg, der von der Straße "Im Raum" abgeht, zu seinem Namen gekommen ist. Vorgeschlagen und von der Gemeindevertretung angenommen wurde er 1977 von dem damaligen Bürgermeister Otto Hergenhan, der Hans Eidig auch in seiner "Heimatgeschichte" erwähnt. Dass man der später gebauten Straße, die genau gegenüber dem Eidigweg in die Straße "Im Raum" mündet, den Namen "Von Jüssa-Weg" gegeben hat, ist kein Zufall. Von Jüssa, etwa zwanzig Jahre älter als Eidig, war in seiner Jugend ebenfalls ein Freibeuter, ein Wildschütz oder Wilderer, man nenne es, wie man will. Die beiden haben vielleicht sogar "zusammengearbeitet". Von Jüssa allerdings beendete seine Laufbahn von Amts wegen als pflichtbewusster Revierförster in Köthel und gerät damit nicht unter Verdacht, sich unter anderem Namen bei Karl May wieder zu finden.

Autor:
Hermann Drews