Fakten
Gemeindestraße
B-Plan Gebiet:
Länge:
Bau/Benennung:
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Bei der Feuerwerkerei
Es gab einmal eine Zeit, in der man Postleitzahlen noch nicht
kannte. Deshalb fügten Firmen in Trittau, die ihre Waren in ganz
Deutschland verkaufen wollten, zu der Ortsbezeichnung noch den
Hinweis "Bezirk Hamburg" hinzu. Dadurch kam man dem "Tor zur Welt"
schon etwas näher.
Unter dieser Adresse firmierte auch der Kunstfeuerwerker
Gustav W. C. Burmester, der irgendwann in den 30er Jahren einen
Fertigungsbetrieb in Trittau aufbaute, aber sein Verkaufsbüro in
Hamburg hatte.
Das Gelände lag in einem kleinen Waldstück an der Straße von
Trittau nach Grande und war nur über einen unbefestigten Weg zu
erreichen. 1942 standen auf dem Firmengelände insgesamt 38 Gebäude,
und es wurden während des Krieges ca. 200 Mitarbeiter beschäftigt.
Nach der Kapitulation 1945 kamen die Sieger und nahmen den Betrieb
erst einmal unter die Lupe. Im Rahmen der Demontage wurde alles, was
nicht niet- und nagelfest war, von den Engländern, Belgiern und Russen
abtransportiert. Nachdem die Heizkessel, die Pressen und fast alle
sonstigen Maschinen verschwunden waren, sah es recht trostlos im
Betrieb aus.
Leider gingen auch viele Fensterscheiben unnötig zu Bruch, und an
Ersatz war vorläufig nicht zu denken. Der Senior-Chef verstand die Welt
nicht mehr und erhängte sich im Trockenraum. So ist es zu verstehen,
dass später die hier beschäftigten Frauen diesen Raum möglichst gemieden
haben.
Sein Sohn, Walter Burmester, übernahm die Firma und versuchte, eine
bescheidene Produktion anlaufen zu lassen. Pyrotechnische Artikel waren
nicht darunter, weil man als Besiegter in Restdeutschland kein Schwarzpulver
verarbeiten durfte. Was aber sollte man produzieren?
Da Not erfinderisch macht, kochten die ersten Mitarbeiter erst einmal
Bohnerwachs und Stiefelfett. Dann kamen bald Kohle- und Rhabarber-Tabletten
sowie Schädlingsbekämpfungsmittel und eine Hundewasch-Emulsion hinzu. Aber
man hatte auch noch im Lager Restbestände aus der Kriegsproduktion liegen.
So wurden zum Beispiel Filzringe, die früher für die Signalpatronen gebraucht
wurden, zu Tropfenfängern für Kaffeekannen verarbeitet. Ein weiteres Produkt
waren Kaffeekannen-Untersetzer aus Gasmaskenfilter, denen man drei Füße
abgeschraubt hatte. Dicke Pappscheiben bemalte man mit Blumenmuster und
verkaufte sie ebenfalls als Untersetzer. Und da es wenigstens Zuckerrüben zu
kaufen gab, wurden diese mit Milchzucker zu Sirup veredelt.
Es gab aber auch Mitarbeiter, die die Gelegenheit nutzten und
aus den Zuckerrüben-Schnitzeln heimlich während der Arbeitszeit
Schnaps brannten. Der Schlager jedoch waren Kalkeier, ohne die die
Hühner damals nicht legen konnten, und die in Tag- und Nachtschicht
hergestellt wurden. Als dann der Winter kam, froren die Mitarbeiter
bitterlich. Kohle zum Heizen gab es nicht, und in den neu aufgestellten
Kanonenöfen verfeuerte man Holz. So ist es kein Wunder, dass die Bäume
im Betrieb immer weniger wurden. Da es nur wenig Sitzgelegenheiten gab,
wurden diese nach Betriebsschluss angekettet, weil man Angst hatte,
dass die Hocker über Nacht verschwinden könnten.
So versuchte Herr Burmester über die Runden zu kommen. Aber 1948 -
kurz vor der Währungsreform - war er am Ende und musste alle Mitarbeiter
entlassen. In dieser ersten Nachkriegszeit entsprach der Straßenname
nicht mehr der Wirklichkeit.
1949 - die Alliierten hatten die Verarbeitung von Schwarzpulver
inzwischen wieder erlaubt - kaufte das Gelände die Wuppertaler Firma
Pyrotechnische Fabriken Hans Moog - H. Nicolaus. Deren Prokurist übernahm
dann den Betrieb 1957 unter dem Namen "Nico Pyrotechnik Hanns Jürgen
Diederichs". Das Motto lautete jetzt: Alles was knallt und kracht und
niemandem weh tut.
Wann der Waldweg, der inzwischen asphaltiert wurde, den Namen Bei
der Feuerwerkerei erhielt, konnte ich noch nicht herausfinden.
Auch wenn heute beim größten Arbeitgeber in Trittau kein Feuerwerk
mehr hergestellt wird, so hat der Name der Straße nach wie vor seine
Berechtigung, denn die Pyrotechnik ist geblieben.
Wolfgang Buchwald


